„Die Entfernung im Stand luftwärts“. Was für ein Opus.
Wie sorgfältig und großzügig gestaltet, wie schön und durchdacht
in der Gliederung. Das heißt nicht, dass ein schnelles Durchblättern
und Überfliegen möglich wäre. Der Band ist ein visueller Genuss
und ebenso ein literarischer. Wo je gibt es diese wunderbare Verbindung
von Visuellem und Textlichem, die dem Anlass so gerecht wird, aus den
Voraussetzungen gefordert scheint, aber kaum sonst so eingelöst wird.
Die Affinität zum Sprachlichen und Literarischen durchweht das Buch,
und zugleich bleibt immer wieder das Auge an den wunderbaren Bildern hängen.
Unveröffentlichtes Manuskript, Berlin, 2025
Peter Dittmar, Kunsthistoriker, Galerist, Berlin, 2025
Partenheimer ist ein bildender Künstler, der sich nicht nur mit
Literatur auseinandersetzt, sondern immer wieder auch schreibend
überraschend produktiv ist. Oft druckt er seine Texte
handschriftlich ab, wodurch sich eine gemeinsame Ebene zu seinem von
der Linie geprägten zeichnerischen, malerischen und skulpturalen
Werk herstellt.
Je länger man sich mit seinen Künstlerbüchern befasst, desto mehr
gewinnt man einen Eindruck davon, wie Partenheimer die Texte
gleichrangig mit den Bildern in ihrer Medialität und Materialität
begreift und wie groß sein Interesse daran ist, die Texte zu zeigen
und die Grenze zwischen dem Sichtbaren und dem Sagbaren aufzuheben.
Man stellt fest, dass seine Art und Weise, Künstlerbücher zu machen,
dem Prozess des Ausstellens bildkünstlerischer Arbeiten entspricht,
wenn neu entstandene Texte versammelt werden, neben schon an anderen
Orten „gezeigten“ treten und in neuen Konstellationen und
thematischen Schwerpunkten die „Exponate“ zueinander finden. Wenn
Partenheimer aber seine Texte in den Büchern immer wieder neu in
andere Kontexte setzt und in anderen Sprachen formuliert, kommt dem
Wiederabdruck eine entscheidende Bedeutung zu. Er dient nicht nur
einer größeren Verbreitung der Texte, er legt in einem anderen
thematischen Zusammenhang neue Bedeutungsschichten frei.
Jürgen Partenheimer. Werkverzeichnis der Künstlerbücher 1970-2023, Kunst- und Museumsbibliothek, Köln, Snoeck Verlag, Köln, 2024
Gabriele Wix, Wissenschaftlerin, Autorin und Kuratorin, Bonn, 2024
Die Serie „Spectral Void“ (2024) umfasst Zeichnungen, die die Leere
als eine Kraft erkunden, als bewußter Verzicht und zugleich als
sinnlich ästhetische Erfahrung. Die Werke spiegeln fragile Linien,
Formen und Farben, zwischen denen sich für den Künstler ein Raum
öffnet, in dem das Unbekannte und Unbenannte Platz finden. Während
einige Werke einen subtilen Bezug zur wahrnehmbaren Welt zulassen,
vertrauen andere vollständig der Vorstellung und verzichten auf
konkrete Zusammenhänge. So entstehen Freiräume, die sowohl den
Betrachtenden als auch den Motiven selbst Entfaltungsmöglichkeiten
bieten. Partenheimers Abstraktion verweist damit auf Dimensionen, in
der die Leere ästhetisch, philosophisch und ökologisch notwendige
Räume definiert und auf wesentliche Funktionen gesellschaftlicher
Systeme weist. „Spectral Void“ eröffnet abstrakte Freiräume, die die
Balance von Anwesenheit und Abwesenheit halten.
Einführung zur Ausstellung Spectral Void, Max Goelitz Galerie, Berlin, 2024
Maxine Weiss, Künstlerin, Kuratorin, Berlin, 2024
Jürgen Partenheimer hat durch Ausstellungsprojekte und Residencies
an vielen Orten der Welt gelebt und gearbeitet und für Museen neue
Raumkonzepte entworfen, die stets die Möglichkeiten der Arbeit und
ihre orts- und raumbezogenen Präsentationen erweitert und erprobt haben.
Nun hat er mit seiner Tochter, der Architektin Anna Partenheimer ein
neues Atelier konzipiert. Das Atelier besticht durch seine räumliche
Situation sowie eine kongeniale Lichtführung: Im ersten Raum entstehen
Arbeiten auf Papier, in der Mitte, quasi im Zentrum, das Archiv und der
Denkraum und der dritte Raum ist der Malerei und Skulptur gewidmet.
Auch in den Werken spielt der Raum eine große Rolle, dabei geht es
nicht um Selbstreferenzialität, sondern um die Sichtbarmachung einer
Metaebene, „das Sichtbarmachen von bildnerischem Denken“.
Jürgen Partenheimer. Al Genio del Lugar, Kunstmagazin PARNASS, Wien, 2023
Sylvie Aigner, Chefredakteurin, PARNASS, Wien, 2023
Die Rücken der Dinge und das Unsichtbare. In den Fluchten von
Echoräumen. 1836 begann der alte Hokusai, sich mit einer klassischen
Lyrik-Anthologie aus dem dreizehnten Jahrhundert
auseinanderzusetzen. In Holzschnitten und Zeichnungen antwortete er
auf hundert Gedichte von hundert japanischen Autoren. 2015 ließ sich
Jürgen Partenheimer von Hokusais Bild-Reflexen inspirieren zu einer
eigenen Werkgruppe „One Hundred Poets“, an der er bis 2021
arbeitete. Im Unterschied zu Hokusai stützte sich Partenheimer nicht
auf eine bekannte Anthologie, sondern bezog sich auf Gedichte, die
ihn interessierten, in denen er etwas Verwandtes, einen
existentiellen Echoraum erkannte. Von den Texten gingen Impulse aus,
die sich in Bild-Ideen verwandelten, es entstanden Arbeiten auf
Papier und Gemälde. Partenheimer konzentriert sich auf eine
minimalistische Formensprache, klar getuschte Flächen, fragile
Bleistiftlinien, Momente in Aquarell. Leergelassenen Raum. Das lädt
zu offener Betrachtung, vielleicht Meditation ein. Intendiert sind
Korrespondenzen im letztlich nicht Ausdeutbaren, die jedes Kunstwerk
kennzeichnen. Oder, wie es Janet Frame in ihrem Gedicht „Einmal
zwischen mir und den Pinien“ sagt: Es geht um die Suche nach einer
„einzelnen Essenz, erbracht ohne Drohung und Betrug, / einen
wahrhaftigen Wortschatz für das, was ist und nicht ist.“
Jürgen Partenheimer. One Hundred Poets, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 3.2.2022
Angelika Overath, Autorin, Literaturkritikerin, Frankfurt, 2022
Die Art und Weise, wie in den One Hundred Poets Gleiches auf Gleiches
antwortet lässt jeden Versuch weiterführender Sprache überflüssig
erscheinen. Vielleicht sollte das letzte Wort an Marianne Moore gehen,
die bemerkte, dass: „sich das tiefste Gefühl immer im Schweigen
offenbart.“ Was die Werke von Jürgen Partenheimer ausmacht, die sich
auf die entsprechend ausgewählten Gedichte beziehen, ist, dass sie
nicht nur dieses Schweigen bewahren, sondern es vertiefen und auf eine
Weise bereichern, die uns unerwartet und auf merkwürdige Weise
unausweichlich trifft, wie alles Wahre.
Jürgen Partenheimer. One Hundred Poets, Golden Luft Verlag, Mainz, 2016
John Burnside, Dichter, Schriftsteller, Fife, Schottland, 2021
In seiner ruhigen, aber entschlossenen Art bezieht das Werk von
Jürgen Partenheimer den Betrachter in eine ästhetische Neuausrichtung
ein, in einen Prozess des „Nicht-Sehens“ und „Nicht-Handelns“, wobei es
nicht um rhetorische Überzeugungen geht. Das Werk lädt den Betrachter
ein, sich zu entäußern und sich einem Raum der Vorstellung zu öffnen,
in dem im Werk selbst die Zeichen, Formen, Räume und Farben sich von
ihren Bezugssystemen lösen. So inspiriert Partenheimers vielschichtiges
Oeuvre Erfahrungen, die die Bereiche der Wahrnehmung, des Denkens und
des Machbaren neugestalten.
Katalog: Jürgen Partenheimer. Unverloren / Unlost, Edition Dittmar, Berlin, 2018
Aoife MacNamara, Kunsthistorikerin, Hochschulprofessorin, Vancouver, 2014
Die Bildwelt von Jürgen Partenheimer nimmt durch ihre Leichtigkeit,
ihren Verzicht auf lautstarke Gesten und aufwendige Formate, ihre formale
und farbige Zurückhaltung unmittelbar gefangen. Partenheimer weist stets
entschieden auf die potenzielle Unendlichkeit stimmiger Bildformulierungen
hin, die unterschiedlichste Facetten des Denkens zeigen. Grundlage seines
Welt- und Selbstverständnisses ist der diskontinuierliche, sich permanent
überlagernde, neu einsetzende Prozess von Erinnerung, Vorstellung und
intellektueller Auseinandersetzung. Partenheimer gelingt es auf
unvergleichliche Weise, im Bild die Vorstellung einer objektiv erfahrbaren
Welt hinter sich zu lassen und sie in ein denkendes Sehen zu verwandeln.
Jürgen Partenheimer. Gespräche mit Alexander Kluge, Jan Thorn-Prikker
und andere Texte, München, 2017
Carla Schulz-Hoffmann, Kunsthistorikerin, Hauptkuratorin, München, 2017
Die Reihe der frühen Ausstellungen Partenheimers ist umso
beeindruckender, wenn man in Betracht zieht, dass seine Karriere als
Bildender Künstler relativ spät begann, da er zunächst noch
promovierte: Seine Forschungsstipendien in Frankreich, Deutschland
und in Mexiko rundete er mit einer Promotion in den
Geisteswissenschaften ab. Die inhaltliche, von kritischem
Bewusstsein genährte Grundlage seiner Werke, das Handgemachte, im
Sinne einer authentischen Erfahrung am Objekt, strahlen von ihnen
ab, ebenso wie Partenheimers ungeheuer sicheres Gefühl fürs
Ästhetische. Das Werk geht immer vor, und diese Qualität bestimmt
heutzutage die Demarkationslinie des Geltungsbereichs der Kunst,
denn sie bewahrt es vor der „Dialektik der industriellen
Produktion“; und damit bewahrt sie der Kunst das, worin sie sich von
allem anderen unterscheidet – ihr Alleinstellungsmerkmal.
Katalog: Jürgen Partenheimer. Das Archiv-The Archive, Pinakothek der Moderne, München, 2014
Franz W. Kaiser, Hauptkurator, Gemeentemuseum, Den Haag, 2014
Wo immer Jürgen Partenheimer seine Striche ein wenig über die Ränder
von Bildern im Bild oder auch immer wieder über den Rand des ganzen
Bildes zieht, dort drängt innere Energie über die bildliche Äußerung
hinaus. Dabei werden Spuren hinterlassen, durch die Abwesendes im
Anwesenden angedeutet bleibt. Beziehungs-Sinn und Offenheit stützen
sich – und darin liegt eine besondere Eigenart dieser Arbeiten – auf
eine andere poetische Ordnung, die aus der Verunordnung einer
dualistischen Ordnung entsteht. Die poetische Qualität liegt hier in
der Differenz, der Alterität, im Paradoxen und im Verschwinden, das
jedem Erscheinen chiastisch verbunden ist. Aus dieser theoretischen
Perspektive können die Bilder von Partenheimer als „unmögliche
Bilder“ verstanden werden, die Sichtbarkeit und Sagbarkeit
überschreiten und Ereignisse des Absonderlichen erlauben.
Katalog: Jürgen Partenheimer. Das Archiv-The Archive, Pinakothek der Moderne, München, 2014
Petra-Maria Meyer, Philosophin und Hochschullehrerin, Düsseldorf, 2014
In den letzten Wochen bin ich immer wieder in die Ausstellung von Jürgen Partenheimer in
der Pinakothek der Moderne gegangen, in sein unerschöpfliches Archiv von Farben, Formen,
poetischen Einfällen und übermütigen Ausfällen – es ist eine der anregendsten und
schönsten Ausstellungen, die man in München zurzeit sehen kann. Besonders seine
Künstlerbücher haben es mir als Verleger angetan. Sie stellen nicht nur konventionell
Text und Bild gegenüber, sondern bilden von Seite zu Seite einen intensiven Austausch
zwischen Bildsprache und Schriftsprache ab. Partenheimer ist der Dichter unter den
bildenden Künstlern, der mit sparsamsten Ausdrucksmitteln ein Maximum an Wirkung
erzielt. Wer mit offenen Augen durch diese Ausstellung gewandert ist, der wird danach
die Welt anders sehen: freier, offener, beglückter.
Jürgen Partenheimer: Bildende Dichtkunst, Süddeutsche Zeitung [München], 26.2.2014
Michael Krüger, Schriftsteller, Übersetzer, Verleger, München, 2014
Als Jürgen Partenheimer im September 2011 für einen zweimonatigen
Aufenthalt im Atelier der NIROX Foundation außerhalb von Johannesburg
in Südafrika eintraf, begann er die Inspirationen dieser neuen Erfahrung
in einem Tagebuch zu reflektieren, das aus Zeichnungen sowie Lyrik und
Notizen in deutscher und englischer Sprache bestand. Während eines
anschließenden Besuchs in Südafrika im Mai 2012 entstand ein
Künstlerbuch mit dem Titel Folded Spirits, in dem er Bilder aus seinem
Tagebuch den Gedichten der südafrikanischen Dichterin Lebogang Mashile
gegenüberstellte. So zeigt Folded Spirits den absoluten Einklang zweier
starker künstlerischer Sensibilitäten, ein erfolgreicher Dialog, der aus
verschiedenen Kulturen hervorgeht und in unterschiedlichen Formen zum
Ausdruck kommt. Sowohl Partenheimer als auch Mashile verzichten auf
formale Erzählung und Darstellung zugunsten einer strengen und
bewegenden Abstraktion. Trotz Partenheimers beharrlicher Unbestimmtheit
ist das Werk ungemein bereichernd - nicht zuletzt wegen der
Vorstellungskraft, die die stillen Räume und geheimnisvollen Spuren
seiner erkundeten Landschaften hervorrufen.
Jürgen Partenheimer. New Editions, Art in Print, Volume 2, Number 6,
New York, 2013
Catherine Bindman, Kunstkritikerin, Autorin, New York, 2013
Partenheimers Werk zeichnet eine vorzügliche Beziehung von Formen aus,
die zur Assoziation einladen und gleichzeitig ein äußerst wandlungsfähiger
und vielseitiger Akt der Fantasie sind. Vor allen anderen Dingen zeichnet
sein Werk ein aufmerksames Zuhören aus. Seine Notationen sind sicher
und kompromisslos, es sind kühne Bewegungen in Schwarz, Orange oder
Blau, die auf dem Papier beeindruckende Markierungen setzen. Die schmalste
Linie, die spärlichste Spur bleiben präsent in einem Raum, der nur für
sie besteht. Trotz ihrer Zurückhaltung sind sie unübersehbar. So schwingt
das Werk – Bild und Titel – zwischen Repräsentation und Abstraktion,
ohne diese zu bestätigen oder zu bestreiten, da sie die Möglichkeit ihrer
Gemeinsamkeit gestattet - so, wie der Regen in einem Gedicht von Francis
Ponge. Bei aller Vermeidung des Narrativen trachtet Partenheimer zumindest
nach einem Ort, einem gedanklichen, geographischen, historischen,
politischen Raum für jede neue Erkundung. Ein Ausgangspunkt.
Jürgen Partenheimer. Art South Africa, June issue, Kapstadt, 2012
Bronwyn Law-Viljoen, Kunstkritikerin, Schriftstellerin, Johannesburg, 2012
Was immer wir in Partenheimers Werken sehen, wir suchen darin nicht nach
einem Abbild, sondern nach einer bildnerischen Entsprechung zwischen Inhalt
und künstlerischem Prozess. In ihnen, so könnte man sagen, tritt das Leben
selbst
ästhetisch in Erscheinung, denn erst durch das ästhetische, durch eine
auf sinnliche
Wahrnehmung und sinnliches Verstehen zielende Formgebung,
wird das, was erscheint,
zur Kunst. Gemeint ist bei Partenheimer das Aufsuchen
des Ursprungs durch Erinnerung und bewusste Reflexion von Geschehenem und
Geschehendem, von Geschichte und Gegenwart. Es bedeutet nicht Rückkehr zur
Nachahmung, sondern, verdichtet gesprochen: Schöpferischer Umgang mit dem
Leben durch Vergegenwärtigung des Ursprungs!
Katalog: Jürgen Partenheimer. mimesis-return, Museum Chasa Jaura, Valchava, 2009
Uwe Wieczorek, Kurator, Vaduz, 2009
Partenheimer nimmt Ausstellungsflächen als "Zentren von Schwerkraft" wahr,
Orte,
an denen sich der Raum zwischen Bildern, Arbeiten auf Papier, Skulpturen
und Klang
entfaltet, um ein polymorphes Bild zu schaffen. In seinen künstlerischen Untersuchungen
bildet die Zeichnung die Basis der poetischen Formulierung seiner Ideen. Sie lässt neue
Entwürfe für die Darstellung entstehen, indem sie eine andere, eine neue Wahrnehmung
von den Dingen formt. So stellt die Lyrik seiner Bilder, gleichzeitig verdichtet und dennoch
offen, konventionelle Interpretationen von Zeit und Raum in Frage.
Katalog: Jürgen Partenheimer. Discontinuity, Paradox & Precision,
IKON Gallery, Birmingham, 2008
Nigel Prince, Kurator, IKON Gallery, Birmingham, 2008
Partenheimer besitzt eine außergewöhnliche Art auf Umstände zu reagieren, bewusst
künstlerisch oder anderweitig, wohl wissend, dass jede Geste abhängig von der
Verfassung des Empfängers unterschiedlich aufgefasst wird. Aus diesem Grund zeigt
die Empfindsamkeit seines Werkes eine derartige Stärke. Der Beziehung zwischen
Partenheimer und dem gewählten Kontext kommt eine Schlüsselposition zu und
erinnert uns daran, dass jede künstlerische Erfahrung eine Gleichung zwischen
Subjekt und Objekt ist, bis dahin, wo sich die Priorität aufhebt. Künstlerische
Identität und Bedeutung werden ganz und gar durch die Art und Weise ihrer
Betrachtung bestimmt; es geht eher um Reflexion und Projektion als um Ahnung einer
essentiellen Universalität.
Katalog: Jürgen Partenheimer. Discontinuity, Paradox & Precision, IKON Gallery, Birmingham, 2008
Jonathan Watkins, Direktor, IKON Gallery, Birmingham, 2008
Die Frage des Bildes in abstrakter Kunst und Musik hat mich schon lange fasziniert –
besonders in der Musik, wo dieses Thema bislang wenig diskutiert wurde … Als ich zum
ersten Mal mit Partenheimers Werk in Berührung kam, war ich von der Vertrautheit mit
seinen Bildern begeistert. Ich „kannte“ diese Arbeit. Nicht, dass ich sie zuvor schon einmal
gesehen hätte, aber irgendwie fühlte ich, dass sie immer dagewesen war. Mir wurde klar,
dass für mich die größte Bedeutung des Werks in der Farbgebung, der Größe des Werks,
der Materialauswahl und der „Handschrift“ des Künstlers lag – was ich insgesamt als die
„Ausstrahlung“ des Werks bezeichnen würde. Die Arbeiten sind oft reduziert und ruhig,
dennoch füllen sie gleichsam den Raum mit ihrer Anwesenheit aus, egal wie groß er ist –
so, wie unhörbare, leise Musik … Als ich an der Komposition arbeitete, ging es mir
besonders darum, diese Musik nicht zu zerstören und ich machte mir auch Gedanken über
die Bildvorstellungen, Arbeiten auf Papier, Bilder und Skulpturen. Glücklicherweise musste
ich nur ein Buch mit Reproduktionen von Partenheimers Arbeiten aufschlagen und schon
begann ein neues musikalisches Bild in meinem Kopf zu entstehen.
Katalog: Jürgen Partenheimer. Discontinuity, Paradox & Precision, IKON Gallery, Birmingham, 2008
Kevin Volans, Komponist, Dublin, 2008
Jürgen Partenheimer ist einer der bemerkenswertesten poetischen und philosophischen
Künstler der Gegenwart. Im Sommer 2006 weilte der Künstler im Nietzsche-Haus, wo er
sich dem "Kraftfeld" Nietzsche aussetzte. Dabei gelang ihm eine einzigartige Folge
zeichenhafter Darstellungen von rätselhafter Intensität, die sich in 24 Aquarellen zu einer
Gesamtkomposition von erregender Qualität zusammenfügen. In dem von ihm gewählten
Umfeld nimmt er seinem eigenen Werk gegenüber gewissermassen eine doppelte - mediale -
Haltung ein, indem er sie von der eigenen - authentischen - Schöpferkraft aus und gleichzeitig
wohl auch in der souveränen Auseinandersetzung mit Nietzsche zu verstehen sucht.
Katalog: Jürgen Partenheimer. Metaphysische Landschaft, Schwabe Verlag, Basel, 2007
Peter André Bloch, Stiftungsrat, Nietzsche-Haus, Sils-Maria, 2007
Was am meisten beeindruckt, ist die Art, wie der Rhythmus, in dem die Komposition
ausgeführt wird, ihre „Lösung“ zu bestimmen scheint. Als atmete Partenheimer in einem
Moment der Selbstreflexion tief durch und bereitete sich auf das vor, das kommen wird:
eine wunderbare Streuung von Farbe und Linien in einem gespenstischen Raum! Das Ergebnis
ist unglaublich präzise – die Stadt überschattet den Raum der Zeichnung. Man kann sich
einer Entdeckung nicht entziehen: Partenheimer zeichnet die Zeichnung der Welt und
gleichzeitig die Welt der Zeichnung.
Katalog: Roma - São Paulo | Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, 2006
Pinacoteca do Estado de São Paulo, 2007
Laymert Garcia dos Santos, Kunsttheoretiker, Essayist, Hochschullehrer, Universität Campinas, São Paulo, 2006
Jürgen Partenheimers malerisches, plastisches und zeichnerisches Werk sowie seine
Künstlerbücher sind in umfangreichen Einzel- und Themenausstellungen im In- und Ausland
gezeigt worden und haben in den letzten 20 Jahren seine Reputation als hochrangige
Künstlerpersönlichkeit in Europa, den USA, in Latein- und Südamerika sowie in China
begründet. Die singuläre Qualität seines künstlerischen Ansatzes mit einer weit
gespannten internationalen Wertschätzung strahlt interessanterweise heute auf
Deutschland zurück, da Anerkennung und Ruhm des Künstlers den Weg über das Ausland ins
eigene Land finden. Sowohl in Rom als auch in São Paulo sind ungewöhnlich qualitätsvolle
und bemerkenswerte Werkgruppen entstanden, die in Form eines zeichnerischen Tagebuchs
Auskunft über eine bildnerische Annäherung des Künstlers an die jeweiligen
Aufenthaltsorte geben. Dabei geht es nicht nur um die Abbildung emotionaler Verfasstheit
an einem fremden Orte, sondern vor allem um eine Offenheit in der künstlerischen
Haltung, sich auf eine veränderte Wahrnehmung von Raum einzustellen, die zugleich
Distanz und Nähe beinhaltet und einer individuell geprägten Erfahrung von Zeit neue
Perspektiven für die künstlerische Arbeit eröffnet. Die besondere Qualität der Werke von
Jürgen Partenheimer liegt darin begründet, dass in ihnen die Kategorien von Schönheit
und Ausdruck eine unverbrüchliche Einheit bilden, die nicht vordergründig auf visuelle
Effekte setzt, sondern den Kanon der Wahrnehmung souverän um die Dualität von Erlebnis
und Erkenntnis erweitert.
Katalog: Roma - São Paulo | Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, 2006
Pinacoteca do Estado de São Paulo, 2007
Klaus Schrenk, Direktor, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, 2006
Partenheimer spricht in seinen Zeichnungen von den „Disziplinen des Nichts“. Von
diesem Nichts zu sprechen und gleichzeitig aus ihm den Reichtum seiner Zeichnungen
zu entwerfen, zeigt die Magie seines beeindruckenden Werkes. Es geht um
Transformation, um die Sublimation von Wirklichkeit, in der die eigenen Gesetze
die Zwänge der Gegenwart aufheben. Die Abstraktion von Jürgen Partenheimers
Zeichnungen trägt Züge einer Hommage an die Zeitlosigkeit. Seine Zeichnungen sind
ein Tribut an die Autorität der Kunst. Sie respektieren gerade in ihrer
hermetischen Fremdheit die Welt und sind eine Würdigung der Schönheit in der ihnen
innewohnenden radikalen Autonomie. Ihr selbst-verständlich praktiziertes Recht auf
Freiheit ist ihr Fazit aus der Geschichte der Kultur.
Katalog: Jürgen Partenheimer. Suave Loucura, Pinacoteca do Estado, São Paulo, 2005
Jan Thorn-Prikker, Publizist und Kunstkritiker, Bonn, 2005
Das künstlerische Werk Jürgen Partenheimers, das Anfang der 80er Jahre in Deutschland
bekannt wurde, zeigt uns in seinen unterschiedlichen Ausdrucksformen von Zeichnung,
Malerei, Skulptur und Text den profunden Erfahrungsschatz des Künstlers in der Aus-
einandersetzung mit seiner Zeit. Partenheimer steht in der großen Tradition der Moderne,
aus der er sein Werk konsequent aus der Abstraktion entwickelt. Obwohl er zu jener
Generation deutscher Künsler gehört, die das Medium der Malerei bewußt als eine
reflektive Auseinandersetzung mit der Moderne begreifen, gehören weder die Begriffe
des Zitates noch der Dekonstruktion zu seinem künstlerisch-inhaltlichen Entwurf.
Sein Werk investiert in die Kontinuität der großen Themen der Kunst, in der die
Begriffe von Schönheit, Imagination und Traum jene Wirklichkeit erfassen und
interpretieren, die den Menschen herausfordern.
Katalog: Suave Locoura – Gentle Madness | Pinacoteca do Estado de São Paulo, 2004
Marcelo Mattos Araújo, Direktor, Pinacoteca Do Estado, São Paulo, 2004
Wie der Dichter, der mit der Resonanz der Wörter spielt, mit dem Echo der Bedeutung
dessen, was sie bezeichnen, so behandelt Partenheimer seine Themen präzise und exakt,
an der Grenze ihrer Körperlichkeit, indem er sie an einem Punkt des Übergangs zwischen
ihrer Gegenständlichkeit und ihrer Immaterialität untersucht. Die gleiche tief greifende
Erfahrung der Kunst und der Welt, die durch Partenheimers Zeichnung und Malerei be-
wirkt wird, kann auch durch seine Skulpturen herbeigeführt werden. Selbst wenn die
architektonische Ordnung zu ihrer Formalisierung führt, sind sie durch eine abstrakte
Poetik gekennzeichnet, ähnlich wie bei der Musik, in einer durch Rhythmus,
Wiederholung und Nebeneinanderstellung von Formen bestimmten Komposition;
sie drücken einen Zustand des Ungewissen aus, einen Anschein von Unbeständigkeit,
und stellen verführerisch hinreißend die Gewissheiten des Betrachters in Frage.
Katalog: Suave Locoura – Gentle Madness | Pinacoteca do Estado de São Paulo, 2004
Ivo Mesquita, Kurator für zeitgenössische Kunst, Pinacoteca Do Estado, São Paulo, 2004
Jürgen Partenheimer hat das klassische funktionale Verhältnis von Modell und
Skulptur aufgegeben, den Schritt zur scheinbaren Endgültigkeit übersprungen, und
erhebt die freie Variation der Skulptur zum eigentlichen Ziel. Hinter der
minimalistischen Einfachheit seines skulpturalen Werkes verbirgt sich eine
unendliche Fülle des Nicht-Abbildbaren. Sensibilität und kritische Aufmerksamkeit
bestimmen den Umgang des Künstlers mit seinen Weltmodellen. Nicht die meisterhafte
Beherrschung möglichst vielfältiger Techniken steht hier im Vordergrund, sondern
die jeweils identische Annäherung an Ideen und ihre Verwirklichung.
Katalog: Jürgen Partenheimer. Der Schein der Dinge, Museum am Ostwall, Dortmund, 2004
Iris Benner, Kuratorin, Museum am Ostwall, Dortmund, 2004
Nicht Eigensinn des Künstlers oder gar Eitelkeit des Schöpfers veranlassten
Partenheimer, in seine Dortmunder Ausstellung eine Werkeinheit aufzunehmen, die aus den
von ihm im Laufe der Jahre meist selbst entworfenen Einladungen und Ankündigungen seiner
Ausstellungen in Museen und Galerien des In- und Auslandes besteht. Vielmehr weist
Partenheimer die Besucher auf ein entscheidendes Problem der Kunstvermittlung hin, das
merkwürdigerweise bisher kaum Aufmerksamkeit fand. Das Problem heißt: in welcher
Beziehung stehen Ankündigungen einer Ausstellung zu der Wahrnehmung dieser Ausstellung
durch die Besucher einerseits und zu den Intentionen des Künstlers oder der Kuratoren
andererseits?
Partenheimer verfasste und gestaltete in den zurückliegenden Jahren über achtzig
Einladungen und Ankündigungen seiner Ausstellungen in Museen und Galerien des In- und
Auslandes, die, wie Partenheimer das postuliert, eine völlig eigenständige Version des
Werkschaffens darstellen. Allerdings nicht als spektakuläre Ereignishaftigkeit, sondern
als Demonstration spezifischer Differenz zwischen Wort- und Bildsprachen. Eine der
schönsten Mischungen eröffnet die Einladung zu „Artist’s space, New York 1982“.
Insgesamt gibt etwa die Einladung zur Ausstellung „Die Phantasie der Genauigkeit.
Künstlerischer Entwurf des Widerspruchs“, Amsterdam 1981, alle Aspekte des
Partenheimerschen Verständnisses von Ankündigung und Vollendung, Versprechen und
Erfüllung, Vorurteil und Überraschung, visueller Wahrnehmung und mentaler Bearbeitung
an.
Katalog: Jürgen Partenheimer. Der Schein der Dinge, Museum am Ostwall, Dortmund, 2004
Bazon Brock, Kunsttheoretiker, Professor für Ästhetik, Wuppertal, 2004
Partenheimer definiert den Raum des Museums als dynamischen Ort, der sich von jeder
dominierenden Identität befreien läßt. Dem Künstler gelingt es spielerisch den Räumen neue
Bedeutung zu verleihen. Er breitet Wunder vor uns aus, schärft die Aufmerksamkeit und gibt
dem Museum neue Identität. Mit außergewöhnlicher Wirksamkeit schafft er ein Universum,
in dem die Kunstwerke als Zeichen und Signale eine metaphysische,
spirituelle Wirklichkeit bedeuten.
Einführung zur Ausstellung, La robe des choses | S.M.A.K. Gent, 2002
Jan Hoet, Direktor, S.M.A.K. Stedelijk Museum voor Aktuele Kunst, Gent, 2002
Der deutsche Künstler Jürgen Partenheimer unterstreicht die Hinwendung zur Abstraktion
mit globaler Bedeutung und großer poetischer und rationaler Aussagekraft.
Seine Malerei in der Nationalgalerie in Peking überwältigt die Besucher durch ihre starke
und besänftigende visuelle Kraft. In der Pekinger Kunstszene hat Partenheimer eine
kultartige Begeisterung entfacht, die die abstrakte Schönheit seiner Kunst überzeugender
und eindringlicher findet als die meiste figurative Kunst unserer Zeit.
Katalog: CrossMapping, The National Museum of Fine Art | Peking, 2001
Nanjing Museum of Art | Nanking, 2001
Yang Yingshi, Kunstkritiker, Peking, 2001
Das wunderbare Geheimnis in Partenheimers Werk vermag der Betrachter vielleicht
nicht im ersten Augenblick zu erkennen, doch jenseits aller kulturellen Unterschiede kann
er intuitiv mit der Kunst kommunizieren.
Die chinesischen Besucher von Partenheimers Ausstellung haben den Künstler aufgrund
ihres unmittelbaren Gefühls akzeptiert und nicht aufgrund von Medienberichten und Kritiken.
Bis heute ist das noch keinem modernen westlichen Künstler gelungen, doch Partenheimer
hat es geschafft.
Katalog: CrossMapping, The National Museum of Fine Art | Peking, 2001
Nanjing Museum of Art | Nanking, 2001
Li Jianguo, Chefredakteur, Jiangsu Art Monthly, Nanking, 2001
Ich möchte etwas betonen: Eine der Vorbedingungen dafür, daß Partenheimer die um-
fassenden Möglichkeiten abstrakten Zeichnens so erfolgreich entwickeln konnte, ist, daß
er eine reiche geistige Vorstellungskraft besitzt. Erst diese Voraussetzung lieferte ihm die
starke Motivation für sein Streben nach formaler Durchdringung. Diese Bilder sind sehr
weit von ihren sinnlichen Objekten entfernt. Sie verfügen über einen zutiefst geistigen Inhalt.
Wirklich gute Kunst gehört immer der gesamten Menschheit, wobei die Eigenschaft des
Charakters nie Resultat eines Globalisie-rungsprozesses ist, sondern Resultat der ihm
innewohnenden Wertmaßstäbe
Katalog: CrossMapping, The National Museum of Fine Art | Peking, 2001
Nanjing Museum of Art | Nanking, 2001
Zhou Guoping, Professor für Philosophie, Akademie der Wissenschaften, Peking, 2001
Zunächst beeindrucken mich die meisterhaften Linien, die in ihrer Kombination mit den
Farbflächen die Bilder sublim organisieren. Ein, zwei Linien, kaum größer als ein Haar
können die gesamte Bildfläche dominieren und lenken den Blick des Betrachters auf jeden
noch so kleinen Bereich des Bildes. Die monochromen Farbflächen erscheinen in ungeheuer
reichhaltiger Nuancierung. Die Bildwelt Partenheimers konstituiert sich aus rationalen sowie
emotionalen Elementen, die er meisterhaft kombiniert und die zu einer Bildsprache werden,
die die Menschen sehr berührt.
Katalog: CrossMapping, The National Museum of Fine Art | Peking, 2001
Nanjing Museum of Art | Nanking, 2001
Yuan Yunsheng, Künstler, Staatliche Kunstakademie, Peking, 2001
Partenheimer deutet den Dualismus gestischer und geometrischer Formen inhaltlich.
Seine Bilder verweisen nicht auf die Faktizität der amerikanischen Minimalisten,
sondern erscheinen Sprachgittern gleich, lyrisch inhaltlich verwoben. Sein Bild
ist das Bild einer Weltschau, das Modell eines modernen Diskurses und zugleich
eine Form der Imagination. Die Bezüge der Inhalte, Bild als Sprache, Titel als
Text, schaffen eine zweite, wichtige assoziative Bildebene und erweitern die
Wahrnehmung des Bildes. Der Künstler wählt nach seinen Kriterien der europäischen
Tradition die Unbestimmtheit des Bildes, die Kunst als die Bewahrung des
Unsagbaren, in dessen Freizone die Frage nach den Dingen offenbleibt.
Katalog: CrossMapping. Partenheimer in China, Peking / Nanking, 2001
Werner Schnell, Kunsthistoriker und Hochschullehrer, Göttingen, 2001
Jürgen Partenheimer, 1947 in München geboren, ist einer der wichtigsten und heraus-
ragendsten Künstlerpersönlichkeiten der gegenwärtigen deutschen Kunstszene.
Seine Distanz gegenüber jeglicher Art von Expressionismus, seine klare Haltung sich
allen Trend Tendenzen zu widersetzen, sowie die Fähigkeit seine künstlerische
Formulierung in der Tradition der konstruktiven Minimal Art mit einer lyrischen
Intensität zu verbinden und darüber einen ernsthaften theoretischen Diskurs zu führen
weisen Partenheimer als außergewöhnlichen Künstler aus.
Katalog: Cantos y otras mentiras, IVAM Centre Julio Gonzalez | Valencia, 1999
Juan Manuel Bonet, Direktor, IVAM Centre Julio Gonzalez, Valencia, 1999
In seinen Zeichnungszyklen gewährt Partenheimer Einblick in den Akt des „Machens“
und zwar in ähnlicher Weise, wie Mondrian in New York, jedoch magischer, immer in
der Lage noch einen Schritt weiter zu gehen und überraschenderweise zu einer Arbeit zu
gelangen, die in ihrer Strenge klassisch erscheint. Die Linien seiner Zeichnungen sind von
aufregendem Geheimnis, wie jener fantastische Zyklus„Maelstrom, Zeichnungen, die als
Metapher von Wissen und künstlerischer Schaffenskraft zu verstehen sind.
Seine Bildwelt spricht von Respekt und Kohärenz seines Diskurses.
Katalog: Salón de los dieciséis, Museo de Arte Moderna | Madrid, 1995
Miguel Fernandez-Cid, Direktor, Centro Galego de Arte Contemporanea, Santiago de Compostela, 1999
Partenheimers Vertrautheit mit den Kulturen und der Literatur beiderseits des
Atlamtiks ist ein wesentliches Element seiner persönlichen und ästhetischen Bezüge.
Autoren, die sich mit Partenheimer beschäftigen, kommen immer wieder auf die
hervorragenden Qualitäten seiner Zeichnung zu sprechen, die nicht Umriss von Raum-
inhalten darstellt, sondern eigenständige Form bedeutet. Die Organisation der Bilder
der Phantasie stellt die schwierigste Arbeit eines Künstlers dar, das Erschaffen von
Zusammenhängen für den tiefgründigen Ausdruck, ästhetisch wie gesellschaftlich.
Partenheimer vermittelt diesen Zusammenhang beispielhaft.
Katalog: Leaf Spine Word Sign, Hank Hine Limestone Press | Kunstmuseum Bonn, 1999
Hank Hine, Direktor, Institute for Research in Art, University of South Florida, Tampa, 1999
Partenheimer untersucht seit Anbeginn seiner künstlerischen Karriere anhand seines
außergewöhnlich reichen Spektrums von Büchern die Möglichkeiten formaler Invention
und visueller Erzählsprache. So wesentlich wie seine zahlreichen, gelegentlich mit
den Büchern in Beziehung stehenden Gemälde, Graphiken und ganz besonders seine
Zeichnungen, haben Partenheimers einmalige, überarbeitet und redigierte Bücher
dazu beigetragen seine so beständig ausgestellte Kunst auf das wesentliche zu
verdichten.
Katalog: Leaf Spine Word Sign. Artists Books from the workshop of Hank Hine, Limestone Press, San Francisco; Kunstmuseum Bonn, 1999
Robert Rainwater, Chefkurator, New York Public Library, New York, 1999
Partenheimer hat nicht nur die Figur-Grund-Beziehung gründlich verwischt, sondern er hat
auch die Beziehung zwischen dem, was wir als feste und transparente Fläche bezeichnen
würden untergraben. Wenn wir Partenheimers Vorhaben richtig auffassen, erkennen wir,
daß sein Werk konsequent gedachte Abhandlungen über die Natur des Sehens und dessen
stets wechselnde Beziehung zum Wissen sind. Partenheimer sucht in der Zeichnung nicht
nach einer idealen Form oder Gestalt. Vielmehr erforscht er die Verbindungen zwischen
Sehen und Denken und entdeckt, bis zu welchem Grad sie sichtbar gemacht werden können.
In dem uns Partenheimer visuell wie philosophisch an Grenzpunkte führt, beschäftigt er uns
mit noch tieferen Fragen:
Was ist die Natur der Imagination?
Katalog: Fragmente | Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, 1998
Kunstmuseum Bonn, 1998
John Yau, Lyriker, Essayist und Kunstkritiker, New York, 1998
An René Magritte denken wir gern, wenn wir von Partenheimer sprechen.
Die beiden Künstler stehen sich in ihrer Kunst so fern, wie sie sich in ihren Gedanken
begegnen könnten. Denn vom Kopf aus bilden sie ihre Vorstellungen über Malerei.
Wörter und Bilder werden beim einen wie beim anderen „beim Wort“ genommen oder
„ins Auge gefaßt“. Die Anschauung wird in sehr genauer Weise vom Intellekt bestimmt
und kontrolliert. Die Begrifflichkeit der Kunst ist ein gemeinsames Anliegen der durch ein
halbes Jahrhundert getrennten Künstler. Sie denken und schreiben und malen, der ältere
konkret, der jüngere abstrakt. Was wollen wir damit sagen? Das immer wache Bewußtsein
des reflektierenden Künstlers vermißt und kartographiert den ständig neu zu bestimmenden
„Freiraum“ der Kunst und ihrer Praxis.
Katalog: Fragmente | Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, 1998
Klaus Gallwitz, Direktor, Städelsches Kunstinstitut, Frankfurt, 1998
„Wo ich mich in dir vergaß / wardst du Gedanke.“ Die Verse von Paul Celan
schaffen in ihrer intensiven, ausdrucksstarken Nacktheit eine leuchtende
Verbindung zwischen Idee und Wort. Diese Art von Wesentlichkeit, die dem Schatten
Klarheit entlockt, ist einer der charakteristischsten ästhetischen Stränge der
Künste unserer Zeit. In diesem Kontext ist das Werk von Jürgen Partenheimer
einzuordnen, einem der bedeutendsten deutschen Künstler der Gegenwart, der in
unserem Land bereits bekannt ist und zu dem er seit 1972 eine intensive Beziehung
unterhält, als er als Artist-in-Residence ins Museo de Arte Abstracto in Cuenca
eingeladen wurde.
Partenheimer entwickelt einen Prozess der Verschmelzung, der ästhetischen
Konvergenz, in dem sich die Körperlichkeit der Sprache und der Formen in der in
sich versunkenen Suche nach dem Konzept auflöst. Im Hintergrund spüren wir den
Herzschlag der Idee. Es sind Werke von großer Schönheit und subtiler Zartheit.
Partenheimer ist eine Art Kalligraph des Lichts und der Farbe. Die Formen und
Räume, denen er Gestalt und Grenzen verleiht, setzen sich in der Andeutung des
Wortes und des Konzepts fort.
Jürgen Partenheimer – Caligrafo de luz y color. La Espera [Madrid], Nr. 4, 1998
José Jimenez, Kurator, Kunstkritiker, Universitätsprofessor, Madrid, 1998
Partenheimers Zeichnungen bewegen sich behutsam auf die Form zu, weil er das erforschen
will, was noch ohne Definition ist. Er zieht es vor zu warten und herauszufinden ob sich ihm
während des Zeichnens neue Dimensionen eröffnen. Kandinsky hat mit seiner abstrakten
Morphologie ebenso gearbeitet, hat sich die Form instinktiv tastend entwickeln lassen.
Partenheimers Zeichnungen scheinen zu uns zu flüstern, so wie auch seine Malerei mit ihrer
behutsamen Oberfläche, die einem Aquarell gleicht.
Katalog: Cantos | Stedelijk Museum Amsterdam, 1997
Rudi Fuchs, Direktor, Stedelijk Museum Amsterdam, 1997
Der 1947 in München geborene Jürgen Partenheimer gehört zweifellos zu den bedeutendsten
deutschen Künstlern der Gegenwart. Obgleich sich das Werk des überaus vielseitig begabten
Künstlers, der als Maler, Bildhauer, Kunsttheoretiker sowie als Literat tätig ist und darüber
hinaus ein großes Interesse für die Musik besitzt, vielschichtig darstellt, beruht seine
bildnerische Sprache doch eindeutig auf der Ausdruckskraft der Linie. Mit seinen freien
Setzungen schafft Partenheimer ein Universum von Zeichen, die anschaulich erfahren werden
wollen und den Betrachter über ihre eigene Existenz hinaus in geistige Räume entführen.
Katalog: 30 Years of German Contemporary Art | Singapore Art Museum, Singapur, 1997
Stefan Gronert, Hauptkurator Zeichnung, Kunstmuseum Bonn, 1997
Die Malerei und die Zeichnungen von Partenheimer sind wie der Glanz heiterer
Gelassenheit. „Toko no ma“: Orte, an denen wir das Gefühl erkunden, dass die Luft
die Dichte der Stille umfängt, dass in dieser Dunkelheit eine ewig bestehende
Gelassenheit herrscht. „Also – schreibt Tanizaki – wo liegt der Schlüssel des
Geheimnisses verborgen? Nun gut, ich werde es verraten: genau betrachtet ist es
nichts anderes als die Magie des Schattens. Vertreibt den durch alle diese
Krümmungen und Brechungen entstandenen Schatten und der „toko no ma“ wird
augenblicklich die triviale Wirklichkeit eines leeren und nackten Raums erhalten.“
Partenheimer schafft die Dinge aus dem Geheimnis der Dunkelheit, aber er steuert
den Willen zum Maelstrom hin.
Jürgen Partenheimer. El reclamo de la companía: distancia y proximidad, Diario 16 [Madrid], 23.1.1995
Fernando Castro Flórez, Kunsttheoretiker, Hochschullehrer, Madrid, 1995
Das aufsteigende Wachs in Weiß: „Schneemond“ und in Gelb: „die ungezähmte Farbe
des Tons, der milde Glanz des Honigs“. Andeutungen. Bewegung in jeder Zurücknahme
oder Verschiebung der Linie. Es ist das Instabile, aber nicht das wirklich
fragile, eher das, was der tatsächlichen Wirklichkeit des Universums entspricht,
jene wesentliche Instabilität, die auch ein Triumph ist. Das Rot ist „unduldsam“
und „das Prinzip des Festes und des Lebens“. Grau ist der „schützende Schlichter“,
es „umgibt … den Schlaf der Engel“. Solche Dinge schreibt Jürgen Partenheimer in
seinem Text „De Coloribus“, und seine Linien, die Herausforderungen für den
Verstand sind, sah man in Madrid. Ich bin mir nicht sicher, ob jemand der
Versuchung widerstehen kann sie für sich zu erobern.
Jürgen Partenheimer. Insinuaciones, ABC de las Artes, Madrid, 1995
Clara Janés, Lyrikerin, Madrid, 1995
Stil begreift Partenheimer individuell als Ausdruck seiner Denkweise, als
„Temperament“, das in seiner Widersprüchlichkeit erkundet, statt auf den Begriff
gebracht werden soll; „Spektrales Denken“ heißt die Devise. Und gerade damit nimmt
Partenheimers Werk eine unverwechselbare Position in der Kunstszene der letzten
Jahrzehnte ein.
Partenheimer. Künstler. Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst, München, 1992
Gerhard Mack, Publizist und Kunstkritiker, Zürich, 1992
Unsere scheinbar grenzenlose Betrachtung der Dinge bedeutet zugleich die
unnachgiebige Ordnung der Wirklichkeit: sein, an einem Ort sein. Wie den Grund
bezeichnen, auf dem wir stehen, den gestrigen, leeren Platz, selbst den Körper,
den man als eigen annimmt? „Ein Ort im geometrischen Raum ist ein Ort für einen
Satz im logischen Raum“, sagte Wittgenstein. An dieser Stelle nimmt das Gespräch
eine Wendung mit introspektiver, abgrenzender Intelligenz, die die Randzonen des
Begriffes Plan erforscht, das bezeichnende „Wo“ der gedankenschweren
Beschaffenheit der Geometrie. Jürgen Partenheimer bewegt Raum in vielfältigen
Gesten, in der Zertrümmerung der Maßstäbe, seiner Dichte und Oberflächen. Er
erschüttert die Tiefen seiner ihm innewohnenden Zustände, die Rundungen und
Quadrate des immerwährenden Kreislaufes. Das Entweder-Oder des Monochromen hallt
in Schattierungen und Verschiebungen wider, Töne erzeugen einander von Neuem.
Letztlich kann man nur das Maß bestimmen.
Giant Wall. Hine Editions, Limestone Press, San Francisco, 1991
Robert Creeley, Dichter, Buffalo, New York, 1991
Partenheimer selbst hat in seiner Prosa geradezu vorbildlich den Ort seiner
Bildpoesie angegeben. Die Forminhalte in seinem Werk sind sowohl Gesten als auch
deren Befestigung. Dennoch ist in seiner Zeichnung das prozeßhafte weiter
enthalten. Vielleicht kommt daher die Leichtigkeit dieser Blätter, die freilich
auch mit der Sparsamkeit der Artikulation zu tun hat. Diese Ökonomie der Mittel
meint das Wort „asketisch“, und die „Feierlichkeit“ bezieht sich auf die Formhöhe,
die Partenheimer damit erzielt. Partenheimer ist ein philosophischer Kopf, der
Formen der Anschauung wie Setzungen und Gegensetzungen handhabt. Seine
Bilderfindungen sind durch und durch mehrsinnig und dialogisch angelegt. Dies
geschieht durch ihre schwebende Qualität, die Unsicherheit hervorruft, ja sogar
alle faktischen Gewissheiten aufhebt und ihnen auf diese Weise eine erstaunliche
und starke Daseinsberechtigung verleiht.
Katalog: Jürgen Partenheimer. Vasts Apart, Hamburger Kunsthalle, Hamburg, 1990
Werner Hofmann, Direktor, Hamburger Kunsthalle, Hamburg, 1990
Jürgen Partenheimer ist die Linie als Bewegung bewusst und sie ist ihm auch
vertraut als ein offener Hinweis auf die Poesie des Raumes und die Magie der Zeit.
Indem sie unvorhersehbaren Wegen folgen, offenbaren die Zeichnungen das
Unwahrscheinliche und sie erreichen es mit fast geheimnisvoller Klarheit. Vom
Charakter her ist seine Arbeit Kandinskys Auffassung des „Geistigen“ ähnlich in
den Verbindungen zu frühen, neo-platonischen Ideen, nämlich, dass Kunst
dialektisch aus dem Kontemplativen zu einer mehr rationalen Ebene führe. Das
vollendete Bild ist dann Synthese aus Intuition und Erkenntnis und in
Partenheimers Arbeit bedeutet das ein nicht-lineares und nicht-hierarchisches
Bild.
Katalog: Jürgen Partenheimer. Verwandlung-Heimkehr, Nationalgalerie Berlin, 1988
Peter Selz, Direktor, UC Berkeley Art Museum, Berkeley, 1988
Gegenüber den leeren Signifikantenketten der postmodernen, leeren Hülsen, die ad
infinitum auf neue Leere verweisen ohne jemals eine Spur von Bedeutung Preis zu
geben, gelingt es Partenheimer, und das ist, meine ich, das Besondere an ihm,
abstrakte Linien, Zeichen und Symbole mit solch einem inneren Gewicht aufzuladen,
dass einzelne, federleichte Linien das Gewicht einer ganzen Welt zu tragen
scheinen. Diese Arbeiten sind eine mentale Projektion, die sich wie eine
Landschaft vor uns ausbreitet und dem Betrachter ein Universum von Denkaktivität
offenbart.
Katalog: Jürgen Partenheimer. Verwandlung-Heimkehr, Nationalgalerie Berlin, 1988
Mathilde Roskam, Kunsthistorikerin und Kunstkritikerin, Amsterdam, 1988
Der Dialog mit den Arbeiten von Jürgen Partenheimer verlangt, dass man bereit ist
den Begriff der Zeit als Zeitlichkeit zu überwinden; das bedeutet reisen zu
können, weit über das hinaus, was der oberflächliche Begriff von Zeit zu fassen
vermag, der ihren Verlauf noch linear anordnet. Wir müssen uns einlassen auf einen
zyklischen Verlauf von Zeit, einen Zeitbegriff mithin, den Plato mit „Timaios“ als
bewegtes Bild der Ewigkeit beschrieben hat. Erinnerung und Utopie greifen so
ineinander. So erleben wir im Werk von Partenheimer einen sensiblen Prozess der
Sedimentierung, des Zeigens und des Verbergens.
Katalog: Jürgen Partenheimer. Verwandlung-Heimkehr, Nationalgalerie Berlin, 1988
Britta Schmitz, Kunsthistorikerin, Nationalgalerie Berlin, 1988
In den Arbeiten Partenheimers wie in vielen wichtigen Werken der Moderne sind
Räumlichkeit und Zeitlichkeit nicht deutlich voneinander geschieden. Dies zeigt
sich in Partenheimers Bildern in einer durch und durch poetischen, komplexen
Darstellungsform, die sich wesentlich von verbreiteten Tendenzen oder modischen
Strömungen der Kunst der letzten Jahre abhebt. Sein Werk verliert sich weder im
Anekdotischen, noch spiegelt es eine der diversen Orientierungen wider, die der
Kunstmarkt immer mehr vorgibt und an denen sich immer mehr junge Künstler bewusst
oder unbewusst anlehnen. Partenheimer hält an einer Qualität der Abstraktion fest,
die ebenso um das Nonrelationale eines Barnett Newman, wie um die klassische
europäische Moderne weiß. So gelangt er zu einem höchst eigenwilligen Stil, der am
ehesten durch ein „nicht individuelles Konkretes“ charakterisiert werden kann.
Katalog: Jürgen Partenheimer. Verwandlung-Heimkehr. Fragmente IV, Nationalgalerie Berlin, 1988
Maria Kreutzer, Kuratorin, Nationalgalerie Berlin, 1988
Die Kraft der Bildwelt von Jürgen Partenheimer entsteht ohne Anstrengung. Die
Zeichen, die er entwickelt, sowie sein Formvokabular setzen sich der eigenen
Verletzbarkeit aus und sind zugleich Ausdruck von Energie und Unmittelbarkeit.
Wenn man ein Werk von Partenheimer betrachtet, kann man sich dem direkten,
zugewandten Kontakt nicht entziehen. Die Balance seines Werkes erscheint nicht
homogen und still, sie versetzt uns in Schwingung, so wie das Leben, in dem
Ausgewogenheit gleichzeitig Risiko und Witz, Bedrohung und Freude beinhalten. Für
Partenheimer ist das Bild nicht Resultat eines analytischen Prozesses, sondern
Ausdruck einer Synthese. Das Bild zeigt die Bewegung des Denkens, es entspricht
einer Definition von Realität. Zwischen Mythos und zeitgenössischer Wissenschaft
geht Partenheimer spielerisch mit Begriffspaaren um, die sich eigentlich
widersetzen.
Jürgen Partenheimer. Wanderings, Artforum International, XXVII, 4, New York, 1988
Bojana Pejic, Kuratorin und Kunstkritikerin, Belgrad, 1988
Für mich erscheinen Partenheimers Zeichnungen wie Visionen archaischer Fragmente,
Visionen einer verzückten Sappho oder Zen Haikus, die ihr unvergleichliches Jetzt
preisen – ein Gespür für Körper und Geist. Ihr Intellekt, ihr pulsierendes
Ergebnis sind von bester und elementarster Art – eloquente Räume –
Zeichen von Zeit, Geist, Körper und Natur – tief verwurzelt in stiller,
nachdenklicher Erfahrung.
Jürgen Partenheimer. Drawings, unveröffentlichtes Manuskript, University of California at Davis, 1985
Seymour Howard, Kunsthistoriker, University of California at Davis, 1985
Der Raum des Zeichnens, Malens, Ausstellens: Alles mit dem Bewusstsein des
Arbeitsaktes, des Gebens, des Sich-Projizierens anzugehen - - - im Spiel des
Zufalls, der freien Bewegung der Hand auf Papier oder Leinwand stellen wir fest,
dass nichts zufällig oder sich selbst überlassen ist - - - Jürgen Partenheimer
führt jede Bewegung, jeden Strich und jede Markierung mit derselben Intensität an
Bedeutung und Wichtigkeit aus, die jedem Element im Verhältnis zum Ganzen zukommt
- - - Die Sprache von Punkt und Linie bei Kandinsky oder die Sprache der medialen
Zustände bei Klee, der gesprochenen Sprache selbst bei Beuys sowie die Sprache des
Schreibens, d. h. des Zeichnens und Malens bei Partenheimer - - - sie alle
repräsentieren im Grunde dieselbe Frage und Überzeugung hinsichtlich der Realität
der schöpferischen Vision, wenn auch auf unterschiedlichen Ebenen der
individuellen Ausdrucksweise und Darstellung des Inhalts.
Katalog: Jürgen Partenheimer. AXIS MUNDI twixt thumb and the next, Kunstraum München, 1983
Biljana Tomic, Kuratorin und Kunstkritikerin, Belgrad, 1983
Mit „Säurezeichnungen“ bezeichnet Partenheimer Ätzradierungen unterschiedlichster
Technik von großer zeichnerischer Intelligenz und Sensibilität. Unterschiedlich
starke Ätzungen-Grauabstufungen als Hinweis auf unterschiedliche Existenzebenen.
Unterschiede in der Verdichtung von Wirklichkeit? Fragen, zielend auf
Grundsätzliches, induziert durch die poetische Verdichtung des Werks, getragen
durch die existentielle Beteiligung, Erkenntnisstreben und formale Meisterschaft
des Künstlers. Die dreizehn Blätter des Künstlerbuches „7 Bank-Shot“ bilden in
ihren formalen Bezügen und inhaltlichen Querverbindungen eine künstlerische
Einheit, ein wesentliches graphisches Werk eines Künstlers, der zu den
wesentlichen seiner Generation gehört.
Katalog: Jürgen Partenheimer. Der Weg der Nashörner, Kunstraum München, 1983
Hermann Kern, Direktor, Kunstraum München, 1983
Partenheimers Zeichnungen sind trügerisch in ihrer irritierenden Einfachheit.
Hinter der Fassade des Schlichten verbirgt sich jedoch ein stupendes
Gedankengebäude. Jedes Werk ist Resultat einer ständigen Reduzierung, die von
einer Serie von Zeichnungen vor der Natur ausgeht, hauptsächlich von Bäumen. Die
Zeichnungen entwickeln sich zu elementaren Formen, deren Reduzierungsprozess die
Überprüfung der aussagekräftigsten Zusammenhänge mit dem ursprünglichen Motiv
reflektieren und zu einer rhythmischen Einheit von Form und Raum führen.
Letztendlich wird einem bewusst, dass die Zeichnungen einen Mikrokosmos
darstellen, Essenz und Ausdruck von tatsächlich außerordentlichem Bedeutungsraum.
Jürgen Partenheimer, Tucson Daily Citizen, May 15, 1973
Robert Quinn, Autor, Kunsthistoriker, University of Arizona, Tucson, 1973